Behandlung auf der Stroke Unit

Nach einem Schlaganfall zählt jede Minute. Im Krankenhaus wird die betroffene Person zunächst auf einer Stroke Unit – einer spezialisierten Schlaganfallstation – aufgenommen. Hier wird durch Bildgebungsverfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) schnell festgestellt, ob es sich um einen ischämischen Schlaganfall (Gefäßverschluss) oder einen hämorrhagischen Schlaganfall (Hirnblutung) handelt. Diese Unterscheidung ist entscheidend, da die Behandlungen grundlegend verschieden sind.

Der ischämische Schlaganfall: Wenn ein Gefäß verstopft ist

Etwa 80 Prozent aller Schlaganfälle sind ischämisch – ein Blutgerinnsel verschließt ein Blutgefäß im Gehirn. Hier kommen zwei Hauptbehandlungsmethoden zum Einsatz:

1. Thrombolyse (Lyse-Therapie)

Bei der Thrombolyse wird ein Medikament namens rt-PA (rekombinanter Gewebe-Plasminogen-Aktivator) über die Vene verabreicht, das das Blutgerinnsel auflöst. Diese Behandlung ist hochwirksam, muss aber in einem engen Zeitfenster – in der Regel innerhalb von 4,5 Stunden nach Symptombeginn – durchgeführt werden.

Nicht jeder Patient ist für eine Lyse geeignet. Ausschlusskriterien können unter anderem sein:

  • Vorherige Hirnblutungen
  • Bestimmte Blutgerinnungsstörungen
  • Sehr hoher Blutdruck
  • Kürzliche schwere Operationen

2. Mechanische Thrombektomie

Bei der mechanischen Thrombektomie wird das Blutgerinnsel durch einen minimalinvasiven Eingriff mechanisch entfernt. Ein spezieller Katheter wird über die Leiste bis zum verstopften Gehirngefäß vorgeführt. Dort wird das Gerinnsel mit einem sogenannten Stent-Retriever eingefangen und herausgezogen.

Die Thrombektomie hat das Zeitfenster deutlich erweitert: In bestimmten Fällen kann sie noch bis zu 24 Stunden nach Symptombeginn wirksam sein. Sie wird häufig in Kombination mit der Lyse-Therapie eingesetzt und gilt bei großen Gefäßverschlüssen als sehr effektive Methode.

Der hämorrhagische Schlaganfall: Wenn ein Gefäß platzt

Bei einer Hirnblutung ist das Vorgehen vollständig anders. Hier sind blutverdünnende Medikamente oder Lyse strikt kontraindiziert. Je nach Lage und Ausmaß der Blutung kommen folgende Maßnahmen infrage:

  • Blutdrucksenkung: Ein zu hoher Blutdruck wird medikamentös gesenkt, um die Blutung zu kontrollieren.
  • Neurochirurgischer Eingriff: Bei großen Blutungen kann eine Operation notwendig sein, um Druck vom Gehirn zu nehmen.
  • Überwachung und Stabilisierung: Viele Fälle werden konservativ – also ohne Operation – behandelt, unter engmaschiger neurologischer Überwachung.

Medikamentöse Nachbehandlung

Nach der Akutbehandlung erhalten die meisten Patienten Medikamente, um einen erneuten Schlaganfall zu verhindern:

Medikamentengruppe Wirkung Typisches Einsatzgebiet
Thrombozytenhemmer (z.B. ASS) Hemmt die Verklumpung von Blutplättchen Arteriosklerose, ischämischer Schlaganfall
Antikoagulanzien (z.B. Marcumar, NOAKs) Hemmt die Blutgerinnung Vorhofflimmern, Thromboembolie
Statine Senkt den Cholesterinspiegel Arteriosklerose-Prävention
Antihypertensiva Senkt den Blutdruck Bluthochdruck als Risikofaktor

Fazit

Die modernen Behandlungsmethoden haben die Prognose von Schlaganfallpatienten erheblich verbessert. Entscheidend bleibt jedoch: Je früher die Behandlung beginnt, desto besser die Chancen. Deshalb ist das schnelle Erkennen der Symptome und der sofortige Notruf 112 so wichtig.